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Der Journalist Alfred Polgar, ein jahrelanger Bekannter Marlene D´s, schrieb 1938 noch ein Buch über die Schauspielerin

Marlene: Bild einer berühmten Zeitgenossin,


bevor er vor den Nazis fliehen musste.

75 Jahre nach dessen Entstehung wurde das Buch 2012 das erste Mal veröffentlicht.


Dem ging einige Jahre früher dies voraus:

Der 1873 in Wien geborene Kritiker, einer der angesehensten seiner Zeit, besuchte 1927 eine Aufführung des belanglosen amerikanischen Kriminalstücks "Broadway" in Wien.


Polgar, ein Meister der kleinen Form und bekannter Theaterkritiker der Zeitschriften „Weltbühne“ und „Tage-Buch“, geriet als Jude nach der Machtergreifung der Nazis in große finanzielle und mentale Nöte. Im März 1933 war er aus Berlin über Prag in seine alte Heimat Wien geflüchtet. Dort harrte er, von sämtlichen reichsdeutschen Erwerbsquellen abgeschnitten, bis zum Anschluss Österreichs am 11. März 1938 aus.  


Tatsächlich konnte erst nach Dietrichs Tod und der Einrichtung der Marlene Dietrich Collection (1998, in Berlin) sowie der Recherche in anderen Sammlungen, Polgars Exilzeit betreffend, Genaueres über das Buchprojekt rekonstruiert werden.


Demnach schrieb Polgar 1936 folgenden Brief an die Dietrich: „Liebste, beste M. D.: Sie beschämen mich durch Ihre Güte und Noblesse! Und ich bin zu schwach, als dass ich die Kraft aufbrächte, eine Hilfe abzulehnen, die anzunehmen mir so leicht gemacht wird. … Ich kann vorderhand nur danken für alles Liebe, das Sie mir erweisen, für die rührende Zartheit, in der Sie es tun, vor allem auch für die Erfüllung meiner Bitte, keine Dritten in unser Geheimnis einzubeziehen.“

Und dann der entscheidende Satz: „Kann ich nicht, in irgendwelcher Form, Ihnen gefällig sein? Als Schriftsteller etwas für sie leisten? Jede solche Arbeit, auch unhonoriert, wäre mir eine Herzensfreude.“ Aus diesem Satz, den man als Kapitulation oder eben auch als Ausdruck tiefer Dankbarkeit eines einstmals stolzen Feuilletonisten lesen kann, entstand im Laufe des Jahres 1937 tatsächlich ein Buchprojekt, für das Marlene im Herbst einen Vertrag mit dem Wiener Frick-Verlag unterzeichnete. Er sah einen Vorschuss (von heute umgerechnet 10.000 Euro) für Polgar vor, während Frau Dietrich sich gegenüber dem Verlag verpflichtete, „während dreier Jahre … niemandem außer Ihnen die Berechtigung zu erteilen, ein Buch über mich in deutscher Sprache herauszugeben“. nach:




Marlene Dietrich hat den Schriftsteller, der 1955 in Zürich starb, nie wiedergesehen. Sie hat ihn um 37 Jahre überlebt. Sie starb in Paris.