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Heinrich Thies hat nun ein Buch über die ungleichen Schwestern geschrieben: "Fesche Lola, brave Liesel." Die "fesche Lola" ist der Weltstar Marlene in den USA, die "brave Liesel" ist die Mitläuferin Elisabeth im Nazi-Deutschland (Ehename: E. Will).


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Mit Hilfe von bisher unveröf-fentlichten Dokumenten erzählt er das wenig bekannte Familiendrama zwischen Hollywood und Bergen-Belsen. "Überrascht hat mich bei der Recherche, dass diese beiden Schwestern bei aller Problematik dieser verschiedenen Rollen, die sie gespielt haben, doch zeitlebens ein sehr inniges Verhältnis gehabt haben", sagt Heinrich Thies. "Marlene hat Liesel geliebt und Liesel war ihr ungeheuer dankbar, trotz ihrer problematischen Vergangenheit."


Am Kriegsende ein Treffen mit der Schwester

In De Apr 1945

"Marlene hat Liesel geliebt", sagt Heinrich Thies. Am 7. Mai 1945 landet Marlene Dietrich unweit von Bergen-Belsen mit einem amerikanischen Flugzeug. Im Krieg hat sie sich aus tiefster Überzeugung in der US-Army im Kampf gegen Hitler-Deutschland engagiert. Nun aber will sie ihre Schwester Elisabeth treffen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Georg Will hat diese ein Truppenkino der Deutschen Wehrmacht geleitet. "Marlene wusste, dass ihre Schwester ein Truppenkino betrieben hat", erzählt Thies. "Was ihr natürlich nicht bewusst war, war das Maß des Grauens im benachbarten Konzentrationslager, das sich während des Krieges zugetragen hat. Vielleicht war es auch das, was sie dazu bewogen hat, ihre Schwester zu verleugnen."


Braves Mädchen, keckes Mädchen


Elisabeth Dietrich wird 1900 in Berlin-Schöneberg geborgen, Marlene kommt ein Jahr später auf die Welt. Elisabeth ist ein braves und Marlene ein keckes Mädchen. Mutter Josefine Dietrich liebt Marlene mehr als Elisabeth und gibt ihr den Kosenamen "Pussycat". Marlene - künstlerisch begabt - spielt Geige. Schon früh schreibt sie Tagebuch und nennt Elisabeth, die immer auf Marlene aufpasst, einen "Tugendmoppel". Elisabeth wird Lehrerin und heiratet den Dramaturgen Georg Will, ein Wendehals par excellence. 1933 wird er Parteimitglied bei der NSDAP und verspricht sich davon den sozialen Aufstieg.

Die eine Schwester: Weltkarriere in Hollywood


Seine Schwägerin Marlene ist längst berühmt durch ihre Rolle der "Lola" im Film "Der blaue Engel". In Hollywood macht sie Weltkarriere, dreht für die großen Filmstudios. Joseph Goebbels will ihren Ruhm für sich nutzen. Sie soll der leuchtende UFA-Star werden. Auch Georg Will versucht, Marlene zur Rückkehr zu bewegen. Obwohl er scheitert, darf er zur Belohnung das Truppenkino in Bergen-Belsen leiten.


WEITERE INFORMATIONEN Schwarz-Weiß-Porträt der Schauspielerin Marlene Dietrich. © dpa Fotograf: Courtesy Everett Collectionmit Audio Heinrich Thies über Marlene Dietrichs Schwester


Heinrich Thies hat eine Doppelbiografie über Marlene Dietrich und ihre Schwester Liesel geschrieben.

Im Interview spricht er über sein Buch. mehr



Die andere:

SS-Offiziere als Stammkunden -  Familie Will wohnt über dem Casino neben dem Kino. Elisabeth schaut direkt auf den Truppenübungsplatz. In unmittelbarer Nachbarschaft sterben im KZ Bergen-Belsen bis zur Befreiung durch britische Truppen über 50.000 Häftlinge. Von den Verbrechen dort weiß auch Elisabeth. "Und es hat ihr wahrscheinlich einen Schock versetzt", sagt Thies. "Aber die SS-Offiziere waren ihr einfach näher, sie waren Stammkunden und die haben hier auch ihre Champagner-Partys gefeiert im angeschlossenen Casino."

Marlenes Filme stehen auf dem Index


Marlenes Filme stehen im Truppenkino auf dem Index, was Elisabeth sehr bedauert. Sie schreibt Marlene, ihrer "Pussycat", dass der UFA-Star Zarah Leander mit der dunklen Stimme nur eine billige Kopie von ihr sei. Im Krieg reißt der Kontakt zwischen den Schwestern für sechs Jahre ab. Und Marlene? Seit 1944 dient sie in der US-Armee, nennt sich als Truppenunterhalterin selbst "Captain Dietrich". Marlene gefällt sich in dieser Rolle der Soldatin gegen Nazi-Deutschland.


Heftige Vorwürfe an die Schwester


Nach dem Krieg macht Marlene Elisabeth heftige Vorwürfe. Die Schwester, eine Mitläuferin - das passt nicht zu Marlenes Image. Sie tilgt Elisabeth aus ihrer Biografie und verabredet mit ihr, dass Elisabeth ein Schattendasein führen soll. Elisabeth lässt sich darauf ein und lebt zurückgezogen bis zum Tod 1973 in Bergen-Belsen.

Verleugnet bis ans Lebensende


Marlene verleugnet ihre Schwester bis ans Lebensende. Eine tragische Geschichte, im Buch "Fesche Lola, brave Liesel" mitreißend und spannend erzählt.


WEITERE INFORMATIONEN


Gedenkstein am ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen mit der Aufschrift "Bergen-Belsen 1940 bis 1945" © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung Im damaligen Konzentrationslager in der Heide starben Zehntausende Menschen, darunter Anne Frank. Seit 1952 erinnert in Bergen-Belsen eine Gedenkstätte an die Opfer.

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BuchtitelBearbeiten

  • Heinrich Thies: Fesche Lola, brave Liesel. Hoffmann und Campe Verlag. 416 Seiten. 2017

Genre: Doppelbiografie

ISBN 978-3-455-00161-7

WeblinksBearbeiten

Vgl. Zeit-Artikel von 2016 ??