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Die Standfotos vom Set


Die Standfotos großer Filmproduktionen waren früher bloßes Werbematerial, sind zu Sammelobjekten geworden VON ALEXANDRA GONZÁLEZ


Die bewegten Bilder des Films verblassen oft, bevor man ihre Bedeutung erfasst. Die Prints, von der Stummfilmzeit bis zur Nouvelle Vague aber, die sogenannten Stills, prägen sich unauslöschlich

Die Blüte der Filmfotografie

In diesem Fixieren eines Szenenausschnitts – mit eigenem Licht und eigenen Posen – verdichten sich Raum und Zeit. Die meisten Standfotografen sind indes vergessen. Ihre Namen wurden nicht genannt. Wer hat je von Muky gehört? Produzenten liebten ihn dafür, beim Dreh beinahe unsichtbar zu sein, während er Aufnahmen schoss wie die von Dustin Hoffman als Ratso Rizzo, der in Asphalt-Cowboy hinter Jon Voight über eine Brücke humpelt. Die Fotos sagen alles über die Intensität dieses filmischen Psychogramms zweier Außenseiter. Und wer kennt Raymond Voinquel, den Setfotografen von Marcel Carné, Cocteau, Melville und Hitchcock? Wer weiß, dass Pierluigi Praturlon im Nachkriegsitalien mit fast jedem wichtigen Regisseur arbeitete?


das französische Auktionshaus Kapandji-Morhange hat seine Objectif Cinéma Sales – stets zur Messe Paris Photo führt es seine auf Filmfotografie konzentrierten Versteigerungen durch. Der zuständige Experte Pierre Bourdy

Im Fokus der nächsten Auktion am 13. November steht der Film noir mit wegweisenden Klassikern wie Orson Welles’ Die Lady von Shanghai, Howard Hawks Tote schlafen fest und Frank Tuttles Die Narbenhand.


Cineasten - Manche horten alles zu ihrem Lieblingsfilm, andere lassen sich vom Genre leiten, von Studios oder einer bestimmten Periode des Kinos.

Zürcher Fotosammler Christoph Schifferli: »Sie bieten uns die einzige Möglichkeit, den großartigen Bildproduzenten des 20. Jahrhun- derts, das sind die Regisseure, nahezukommen.«

Horell, Clarence Sinclair Bull und Robert Coburn erfanden um 1930 das Glamourporträt. Perfekte Kompositionen, skrupulös arrangierte Lichtstimmungen: Nichts wurde dem Zufall überlassen.

Rita Hayworth

Nach dem Krieg brachte die römische Cinecittà den Berufsstand der Paparazzi hervor. Einer war Tazio Secchiaroli. Ihm setzte Federico Fellini in La dolce vita ein Denkmal und engagierte ihn fortan. 1972 knipste er Sophia Loren in Almería beim Dreh von Die Sünde, während sie auf einer Öltonne sitzt und ihre Pantinen auf den Zehenspitzen balanciert. 20 000 Pfund kostete ein Originalabzug im Juni 2012 bei Christie’s.

Franzose Raymond Cauchetier zwischen 1956 und 1968 schuf er Dutzende ikonischer Setfotos zu den Filmen der Nouvelle Vague, darunter Truffauts Jules und Jim. Die Aufnahme von Jean-Paul Belmondo als Kleinganove und Jean Seberg als Zeitungsverkäuferin, über die Champs-Élysées schlendernd, ist eines der meistreproduzierten Bilder der Filmgeschichte. Die Londoner James Hyman Gallery würdigte den Autodidakten anlässlich seines 95. Geburtstags mit der Monografie Raymond Cauchetier’s New Wave.

John Baldessari und Cindy Sherman, die auf ihren Untitled Film Stills so sexy mit Stereo- typen des Erzählkinos spielt,

Jeff Wall und Rodney Graham bis hin zu Alex Prager



5. NOVEMBER 2015 DIE ZEIT No 45, S 54



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